Umweltsiegel

Nachhaltigkeitssiegel gibt es wie Sand am Meer, beim Einkaufen den Überblick zu behalten ist gar nicht so leicht. Wie unterscheiden sich die Siegel? Welchen kann man vertrauen? Hier möchten wir Ihnen die Siegel mit ihren jeweiligen Standards kurz und anschaulich erklären. Bei Fragen können Sie sich gerne an Philipp Freisleben, Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik, wenden.
Kontakt: p.freisleben@ba-spandau.berlin.de

Fairtrade

© TransFair e.V.

Das Siegel wird von Fairtrade-International e.V. an Kleinbauern und -produzenten vergeben, die in Afrika, Asien und Lateinamerika herstellen. Die Produktpalette ist groß und reicht von Kaffee und Bananen bis hin zu Fußbällen und Gold. Kern des Siegels sind langfristige Lieferverträge mit vergleichsweise hohen, garantiert kostendeckenden Preisen, welche die oft starken Preisschwankungen am Weltmarkt abfedern und den Produzent:innen Planungssicherheit geben sollen. Außerdem wird eine so genannte „Fairtrade-Prämie“ an die Arbeiter:innen gezahlt, mit der eigenständige Entwicklungsprojekte umgesetzt werden können. Darüber hinaus müssen internationale Arbeitsrechtsstandards (die „ILO-Kernarbeitsnormen“) eingehalten werden und die Organisation der Arbeiter:innen in Gewerkschaften wird unterstützt.

Obwohl ökologische Nachhaltigkeit nicht zum Markenkern gehört, wird auch der Anbau nach Bio-Kriterien unterstützt, weshalb viele Produkte beide Siegel tragen. Kritisiert wird der hohe Preis einer Zertifizierung, der für Kleinbauern oft nur schwer zu stemmen ist. Darüber hinaus werden zwar überdurchschnittlich hohe Löhne gezahlt (verglichen mit lokalen nicht fair zertifizierten Produktionen), diese sind aber dennoch oft nicht existenzsichernd. Der teils vorgebrachten Befürchtung, Betrug seitens der Produzent:innen würde das Siegel wertlos machen, kann entgegengehalten werden, dass Fairtrade-International e.V. in entsprechenden Fällen sehr strikt agiert und bei Nichteinhaltung der geforderten Standards die Genehmigung zur Nutzung des Siegels entzieht.
Detaillierte Informationen zum Fairtrade-Siegel finden Sie hier.

Das Bio-Siegel

Das grüne blattförmige EU-Bio-Siegel (es ist übrigens identisch mit dem sechseckigen deutschen Bio-Siegel) ist ein gesetzlicher Mindeststandard für die ökologische Produktion von Lebensmitteln. Um das Siegel nutzen zu können, dürfen Landwirte keine synthetischen Düngemittel und Pestizide einsetzen. In der Verarbeitung der Lebensmittel dürfen nur sehr begrenzt Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel oder Farbstoffe genutzt werden. An die Tierhaltung gibt es Anforderungen: So dürfen beispielsweise nicht zu viele Tiere auf kleiner Fläche gehalten werden. Die Gabe von Antibiotika ist nur erlaubt, wenn ein Tier tatsächlich erkrankt ist. So wird verhindert, dass sich Bakterien entwickeln, die gegen Antibiotika resistent sind und folglich kaum eine Möglichkeit zu deren Bekämpfung besteht.

Kritisiert wird am Siegel, dass die Anforderungen nicht streng genug seien. Insbesondere in der Tierhaltung wird das schnell deutlich, da beispielsweise immer noch bis zu sechs Hühner auf einem Quadratmeter gehalten werden dürfen. Auch gibt es keine Anforderungen an eine klimaschonende Produktion – wenngleich diese aufgrund der Einschränkung synthetischer Düngemittel und Pestizide teilweise implizit vorhanden ist.

Ein anderer Kritikpunkt ist, dass soziale Kriterien vollständig ausgespart bleiben. Ob den Arbeiter:innen Mindestlöhne gezahlt werden, wie die Arbeitsbedingungen sind und ob Menschenrechte bei der Herstellung der mit Bio gekennzeichneten Produkte eingehalten werden, wird bei der Vergabe des Siegels nicht berücksichtigt. Dies ist zum Beispiel ein großer Unterschied zum Fairtrade-Siegel.

UTZ und Rainforest Alliance

Auf nahezu jeder Schokoladentafel findet sich das UTZ-Siegel – gelegentlich auch auf Kaffee, Tee oder Haselnüssen. Doch was sagt es eigentlich aus?

Mit der zunehmenden Diskussion um Arbeitsbedingungen, insbesondere zu Kinderarbeit auf Kakao-Plantagen in Westafrika, haben viele namhafte Süßwarenhersteller begonnen, ausschließlich Kakao zu beziehen, der ein Nachhaltigkeitszertifikat vorweisen kann. Oft fiel die Wahl dabei auf UTZ.

Das Siegel garantiert die Einhaltung sozialer Mindeststandards. Die ILO-Kernarbeitsnormen (Verbot von Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Streikrecht, etc.) müssen eingehalten werden, Arbeiter:innen müssen auf ihr Recht Gewerkschaften zu gründen hingewiesen werden und es finden Fortbildungen statt mit dem Ziel, das Einkommen der Landwirt:innen zu steigern. Auch ökologische Standards müssen eingehalten werden. So darf keine Brandrohdung erfolgen und Wälder dürfen grundsätzlich nicht abgeholzt werden, um Platz für Plantagen zu schaffen. Auch der Pestizideinsatz ist stark limitiert und es müssen Maßnahmen zur Verringerung von Bodenerosion ergriffen werden.

Oftmals werden die Kriterien des Siegels als zu unambitioniert bewertet. Um das Siegel zu erlangen, muss lediglich die Einhaltung von elementaren Menschenrechten und grundlegenden Umweltschutzstandards gewährleistet sein. Auch wird die Macht, welche die großen Markenhersteller mit ihrer Beschaffungs- und Preispolitik haben, vernachlässigt. Die Verantwortung für die Umsetzung von Nachhaltigkeitskriterien wird ausschließlich bei den Plantagenbetreibern gesehen.

© Rainforest Alliance Holding, Inc.

Fazit: Das Siegel ist ein guter Anfang. Es gibt aber mit “Fairtrade“ im sozialen und “Bio“ im ökologischen Bereich deutlich ambitioniertere Siegel, auf die man besser zurückgreifen sollte.

2020 ist UTZ mit der Rainforest Alliance fusioniert, sodass das UTZ-Logo zunehmend durch den Frosch der Rainforest Alliance ersetzt werden wird. An den Kriterien für die Erlangung des Siegels – und damit an der Bewertung – ändert sich dadurch aber nichts.